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 beirut

text: günter vielgut
fotos: günter vielgut

erschienen: wiener zeitung 26/04/04

 

 

 

  b u c h t i p p/
Kaffeduft und Brandgeruch; von Stefan Weidner

Geschichten über Beirut: vor, wäh- rend und nach dem Bürgerkrieg. Ein- dringliche Episoden über eine leidge- prüfte Stadt und ihre Einwohner. Ab- surditäten des Krieges, Stories aus einer ganz beson- deren Stadt.

 

 
Spiele auf morastigem Boden

Alexander Iashivili vom deutschen Fußball-Bundesligisten SC Freiburg nimmt sich den Ball und führt die fällige Ecke gegen Bayer Leverkusen aus. Das Leder segelt vor den gegnerischen Sechzehner, wo Iashivilis Klubkamerad Rodar Antar auf die Hereingabe gelauert hat. Der Libanese in Diensten der Breisgauer hämmert den Ball volley, vorbei am verdutzten Bayer-Keeper Jörg Butt, ins linke Kreuzeck - ein Traumtor. Antar dreht jubelnd ab und erwartet die Glückwünsche seiner Mitspieler. Die Nummer 12 des SC Freiburg ist ein seltenes Exemplar. Er ist der einzige Libanese, der in einer europäischen Spitzenliga als Profi sein Geld verdient. Ein Umstand, der nicht weiter verwunderlich ist, zählt doch der Libanon, gemessen an europäischen Maßstäben, zu den fußballerischen Entwicklungsländern, gezeichnet von einem jahrelangen Bürgerkrieg, der die Libanesen auch in sportlicher Hinsicht weit zurückgeworfen hat.

Szenenwechsel vom deutschen Profizirkus in Libanons Metropole Beirut. Auf dem Al-Ahed-Platz, dem Stadion der Hisbollah, der militanten Schiiten-Organisation, im tiefsten Süden der libanesischen Hauptstadt, wärmen sich die Mannschaften von Nejmeh SC und Mabarrah auf. Vom Februarregen ist der Boden morastig geworden und eigentlich unbespielbar. Der Schiedsrichter pfeift trotzdem an. Der Angriffselan der beiden Erstligisten verendet aber bald im Schlamm. Zumindest der Wettergott hat nun ein Einsehen und wirft ein paar Sonnenstrahlen auf die traurige Szenerie. Rund 300 Fußballfans haben sich in die baufällige Anlage verirrt, hauptsächlich Anhänger von Nejmeh, dem populärsten Klub im Libanon. Trotz des geringen Zuschauerandrangs sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die allgegenwärtige libanesische Armee zeigt auch hier Präsenz.

Die dürftige Kulisse ist darauf zurückzuführen, dass die beiden Teams aus Beirut an einem Wochentag um den Federation-Cup spielen. Der Bewerb besitzt wenig Prestige und dient hauptsächlich dazu, die Reservespieler in Schuss zu halten, während die Meisterschaft pausiert. Viele Stammspieler von Nejmeh bereiten sich mit der Nationalelf auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea vor.

Langfristige Aufbauarbeit
Solche Pausen sind es auch, die Abdulaziz Abdelshafi zu schaffen machen. Wie jeder Trainer auf der Welt sorgt er sich um die Form seiner Spieler. Abdelshafi führt die "Roten" von Nejmeh und ist ein nachsichtiger Mann. Das muss er auch sein. Schlechte Trainingsbedingungen, ein unprofessionelles Umfeld, mangelnde öffentliche Unterstützung machen die Arbeit zu einem Geduldspiel. "Zizo", wie die Fans den ehemaligen ägyptischen Nationalspieler rufen, denkt "langfristig" und betrachtet seine Tätigkeit im Libanon als "Aufbauarbeit". Er, der Ex-Profi von Al-Ahly, dem Spitzenklub aus Kairo, versucht seinen Spielern die "Amateurmentalität" auszutreiben, was kein leichtes Unterfangen ist. Die meisten Spieler, selbst in der höchsten Spielklasse, sind Halbprofis. Sie trainieren zwar wie Berufsfußballer, verdienen aber einen Pappenstiel, verglichen mit den satten Gehältern europäischer Kicker. Es reicht gerade, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Finanziell ausgesorgt haben die Spieler bei einem Einkommen, das zwischen 1.000 und 2.000 US-Dollar im Monat liegt, nach dem Ende ihrer Karriere allerdings nicht. Im Vergleich zu ihren libanesischen Kollegen verdienen Ausländer weit mehr. So muten die 150.000 US-Dollar im Jahr, die der Kroate Mario Ivankovic im Sold von Nejmeh kassiert, für hiesige Verhältnisse geradezu fürstlich an. 

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