|
Alexander Iashivili
vom deutschen Fußball-Bundesligisten SC Freiburg nimmt
sich den Ball und führt die fällige Ecke gegen Bayer
Leverkusen aus. Das Leder segelt vor den gegnerischen
Sechzehner, wo Iashivilis Klubkamerad Rodar Antar auf
die Hereingabe gelauert hat. Der Libanese in Diensten
der Breisgauer hämmert den Ball volley, vorbei am
verdutzten Bayer-Keeper Jörg Butt, ins linke Kreuzeck -
ein Traumtor. Antar dreht jubelnd ab und erwartet die
Glückwünsche seiner Mitspieler. Die Nummer 12 des SC
Freiburg ist ein seltenes Exemplar. Er ist der einzige
Libanese, der in einer europäischen Spitzenliga als
Profi sein Geld verdient. Ein Umstand, der nicht weiter
verwunderlich ist, zählt doch der Libanon, gemessen an
europäischen Maßstäben, zu den fußballerischen
Entwicklungsländern, gezeichnet von einem jahrelangen
Bürgerkrieg, der die Libanesen auch in sportlicher
Hinsicht weit zurückgeworfen hat.
Szenenwechsel vom deutschen Profizirkus in Libanons
Metropole Beirut. Auf dem Al-Ahed-Platz, dem Stadion der
Hisbollah, der militanten Schiiten-Organisation, im
tiefsten Süden der libanesischen Hauptstadt, wärmen sich
die Mannschaften von Nejmeh SC und Mabarrah auf. Vom
Februarregen ist der Boden morastig geworden und
eigentlich unbespielbar. Der Schiedsrichter pfeift
trotzdem an. Der Angriffselan der beiden Erstligisten
verendet aber bald im Schlamm. Zumindest der Wettergott
hat nun ein Einsehen und wirft ein paar Sonnenstrahlen
auf die traurige Szenerie. Rund 300 Fußballfans haben
sich in die baufällige Anlage verirrt, hauptsächlich
Anhänger von Nejmeh, dem populärsten Klub im Libanon.
Trotz des geringen Zuschauerandrangs sind die
Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die allgegenwärtige
libanesische Armee zeigt auch hier Präsenz.
Die dürftige Kulisse ist darauf zurückzuführen, dass die
beiden Teams aus Beirut an einem Wochentag um den
Federation-Cup spielen. Der Bewerb besitzt wenig
Prestige und dient hauptsächlich dazu, die
Reservespieler in Schuss zu halten, während die
Meisterschaft pausiert. Viele Stammspieler von Nejmeh
bereiten sich mit der Nationalelf auf das
WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea vor.
Langfristige Aufbauarbeit
Solche Pausen sind es auch, die Abdulaziz Abdelshafi zu
schaffen machen. Wie jeder Trainer auf der Welt sorgt er
sich um die Form seiner Spieler. Abdelshafi führt die
"Roten" von Nejmeh und ist ein nachsichtiger Mann. Das
muss er auch sein. Schlechte Trainingsbedingungen, ein
unprofessionelles Umfeld, mangelnde öffentliche
Unterstützung machen die Arbeit zu einem Geduldspiel. "Zizo",
wie die Fans den ehemaligen ägyptischen Nationalspieler
rufen, denkt "langfristig" und betrachtet seine
Tätigkeit im Libanon als "Aufbauarbeit". Er, der
Ex-Profi von Al-Ahly, dem Spitzenklub aus Kairo,
versucht seinen Spielern die "Amateurmentalität"
auszutreiben, was kein leichtes Unterfangen ist. Die
meisten Spieler, selbst in der höchsten Spielklasse,
sind Halbprofis. Sie trainieren zwar wie
Berufsfußballer, verdienen aber einen Pappenstiel,
verglichen mit den satten Gehältern europäischer Kicker.
Es reicht gerade, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Finanziell ausgesorgt haben die Spieler bei einem
Einkommen, das zwischen 1.000 und 2.000 US-Dollar im
Monat liegt, nach dem Ende ihrer Karriere allerdings
nicht. Im Vergleich zu ihren libanesischen Kollegen
verdienen Ausländer weit mehr. So muten die 150.000
US-Dollar im Jahr, die der Kroate Mario Ivankovic im
Sold von Nejmeh kassiert, für hiesige Verhältnisse
geradezu fürstlich an.
 weiter
|