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Lieblich, geradezu
malerisch, liegt im Abendrot das winzige Eiland Kosljun
inmitten der flachen Bucht von Punat, wie von harmonie-
süchtchtigen Landschaftsplanern arrangiert. Wenn sich
die Sonne dann auch noch anschickt, blutrot über der
kroatischen Kvarner-Region zu versinken, ist die Idylle
nahezu perfekt. Der geschulte
Sonnenuntergangs-Aficionado nimmt dazu ein Gläschen "Plavac"
- Marke trockener dalmatinischer Rotwein - etwas
Schafskäse und Oliven.
Habsburger-Nostalgie
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war Kosljun erster
Anziehungs- punkt des aufkeimenden Tourismus auf der
kroatischen Insel Krk. Die vornehmen Reisenden kamen
vorwiegend des Franziskaner- klosters wegen auf Kosljun,
schon damals ein beliebtes Ausflugs- ziel. Es waren vor
allem Gäste aus dem Dunstkreis des öster-
reichisch-ungarischen Herrscherhauses. Aber auch
gekrönte Häup- ter selbst, gaben sich die Ehre. So etwa
die Witwe des öster- reichischen Kaisers Franz Ferdinand
I., Maximilian Ferdinand, der jüngere Bruder von Kaiser
Franz Joseph sowie der rumänische König Karol I. Heute
befinden sich im Kloster eine ethnographische und
sakrale Sammlung sowie eine wertvolle alte Bibliothek.
Segler und
Olivenhaine
Erstaunlich, dass in Punat erst im Jahr 1924 das erste
Hotel, die "Vila Lucija", eröffnet wurde. Eine
Bädergesellschaft gab es ja schon seit 1908. Und eine
Werft, deren wirtschaftliche Bedeutung auch außerhalb
der Bucht von Kvarner spürbar war. Zeuge der alten
Schiffsbautradition ist heute der Yachthafen von Punat
mit über 750 Liegeplätzen. Eines der größten und am
besten ausge- stattetsten Refugien für Segler an der
Ostküste der Adria und in Europa überhaupt. Das ganze
Jahr über herrscht mitunter reger Betrieb, auch abseits
der Hauptsaison im Sommer. Nur wenn die Bora bläst,
verkriecht sich selbst der mutigste Segler an Land. Der
tückische und unberechenbare Fallwind aus dem Hinterland
ist nicht nur bei den Nautikern berüchtigt.
Angesichts der
bevorstehenden Olivenernte hoffen ebenso die
Einheimischen darauf, dass sie die Bora verschonen möge.
So auch Slavko Satinovic, stolzer Besitzer von rund 100
Oliven-bäumen. Wenn das Wetter übel ist, könne die Ernte
zur Qual werden, wie der Olivenbauer bedeutet, indem er
sich scheinbar die Hände vor Kälte reibt. Besucher seien
dennoch immer herzlich eingeladen, in den Olivenhainen
zu helfen, versichert Satinovic augenzwinkernd.
Betörende Wege
durch den Karst
Überhaupt ist die Gegend für Aktiv-Urlauber ein
lohnendes Ziel. Jetzt im Spätsommer, bei erträglichen
Temperaturen, laden wildromantische Wege durch den Karst
zu kurzen oder ausge-dehnten Wanderungen ein. Je nach
Plaisir und Kondition, ist für jeden etwas dabei. Als
idealer Ausgangspunkt einer Erkundungs-tour empfiehlt
sich der Spazierweg gleich oberhalb des Ortes, versehen
mit plastischen Darstellungen des Kreuzweges. Am Ende
des Pfades: Drei große steinerne Kreuze und ein
wunderbarer Ausblick in die Bucht von Punat. Danach
führt die Strecke entlang fruchtbarer steinumrandeter
Weingärten bald auf die Hochfläche. Ständiger Begleiter
des Wanderers: Der Duft aromatischer Kräuter wie Salbei,
Rosmarin, Thymian und Lavendel, die am Wegesrand
sprießen. Schlichtweg sinnlich und betörend.
Beeindruckend auch die alten Wäder aus knorrigen und
immergrünen Steineichen.
Beschauliche
Nachsaison
Erholung von den Expeditionen in den Karst findet
man an den zahlreichen Stränden. Nun, in der Nachsaison,
nachdem die Massen abgereist sind, bleibt genügend
Platz. Es geht beschaulich zu. Wie so oft in Kroatien,
sind die abgelegensten und schönsten Buchten den
FKK-Anhängern vorbehalten. Auch in den Restaurants ist
die Hektik des Hochsommers einer gewissen Abgeklärtheit
gewichen. Saisonal passend und sehr empfehlenswert: "Šurlice"
mit Wildgulasch - ein köstliches Nudelgericht. Und "Plavac"
natürlich, um die Sache abzurunden.
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