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Wenn schon ein
Kurztrip mit FH-Kollegen nach Budapest auf dem Programm
steht, muss man die Gelegenheit nutzen, um einen
ungefilterten Blick auf den ungarischen Fußball zu
riskieren. Also den guten Mann an der Rezeption gefragt,
wer denn heute spielt. Mit der Frage war er allerdings -
offenkundig aufgrund fußballerischen Desinteresses -
überfordert, erst die Sportseite der Zeitung brachte
Aufschluss. Die Wahl fiel auf Kispest, dem ehemaligen
Armeeklub Honvéd, gegen MTK, eines von vielen
möglichen Derbies in der Hauptstadt, nachdem der Portier
zuvor scherzend den Kracher Sopron gegen Vasas empfohlen
hatte.
Mit dem Taxi
ging`s vom Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs auf einer
langen Fahrt in den Budapester Stadtteil Kispest zur
Heimstätte von Kispest, dem Bozsik Stadion, benannt nach
dem legendären Nationalspieler, Joséf Bozsik, Mitglied
der so genannten "Goldenen Elf" aus den 50er Jahren, die
vom 14. Mai 1950 bis zum WM-Finale am 4. Juli 1954 im
Wankdorf-Stadion in Bern 32 Pflichtspiele in Folge nicht
verlor und als erste Mannschaft aus Kontinentaleuropa
die Engländer auf heiligen Boden - in Wembley - mit 6:2
vernichtend schlug. Viele Lichtgestalten dieser Fabelelf
kamen damals von Honvéd, neben Bozsik auch noch Zoltán
Czibor, Sándor Kocsis und nicht zuletzt Major Ferenc
Puskás. Nandor Hidegkuti spielte hingegen beim Rivalen
MTK.
So glorreich die Vergangenheit des ungarischen Fußballs
ist, so trist präsentiert sich die Gegenwart an
diesem kalten Novemberabend. Das Stadion selbst macht
einen ramponierten Eindruck, schon lange wurde hier
nichts mehr investiert. Das Bauwerk kann durchaus als
Symbol für den Verfall und die internationale
Bedeutungslosigkeit des ungarischen Fußballs gelten. Das
Mauerwerk bröckelt leise vor sich hin, die Tribünen
haben schon bessere Zeit gesehen. Vielleicht liegt´s
aber auch am herumziehenden Novembernebel, der die
Szenerie vedüstert.
Auf dem Feld
herrscht offenbar ein Nichtangriffspakt zwischen den
Akteuren. Keiner mag so richtig in die Zweikämpfe gehen,
das Tempo ist - für die höchste Spielklasse -
erschreckend langsam. Als Österreicher muss man mit
Kritik angesichts des heimischen Niveaus zwar sparsam
umgehen, dennoch scheint hier alles noch ein wenig
schlimmer zu sein. Die Zuseher dämmern vor sich hin.
Allein das Häufchen MTK-Fans in der Kurve links neben
der Haupttribüne versucht Lärm zu machen. Die Laufbahn
zwischen Spielfeld und Zuschauern erweist sich auch eher
als stimmungstötend. Man knabbert Pistazien und schaut,
dass einem der Arsch nicht abfriert. Für ein paar Forint
konnte man einen Polster vor der Partie mieten.
Leichtsinnigerweise habe ich auf diese Investition
verzichtet.
Bis zur 69. Minute
tut sich faktisch nichts. Als Illés für MTK trifft,
kommt ein wenig Leben in die Bude. Nach der Führung wird
jede Entscheidung des Schiedsrichters lauthals in Frage
gestellt. War die Stimmung zuvor von mürrischer
Passivität geleitet, so herrschen nun spontan
aufbrandende Gefühlsausbrüche gegen Schiri und auch das
eigene Team vor. Es scheint fast so, als hätte man
darauf gewartet, dass die eigene Mannschaft in Rückstand
gerät. Ganz nach dem Motto: "Ich hab´s ja gewusst, ihr
Nichtskönner"! Wie auch immer. Kispest tat seinen Fans
den Gefallen und verlor 0:1.
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