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 nejmeh SC vs. mabarrah

ort: beirut
stadion: al-ahed
datum: 18/02/04
zuschauer: ca. 300
ergebnis: 2:2

text und fotos:
günter vielgut

 

 

 
Spiel auf morastigen Boden

Auf dem Al-Ahed-Platz, dem Stadion der militanten Schiiten-Organisation Hisbollah, im tiefsten Süden der libanesischen Hauptstadt Beirut, wärmen die Mannschaften von Nejmeh SC und Mabarrah auf. Der Boden ist morastig vom Februarregen und eigentlich unbespielbar. Der Schiedsrichter pfeift trotzdem an. Der Angriffselan der beiden Erstligisten verendet denn auch bald im Schlamm. Zumindest hat der Wettergott ein Einsehen und wirft ein paar Sonnenstrahlen auf die traurige Szenerie.

Rund 300 Fußballfans haben sich in die baufällige Anlage verirrt, hauptsächlich Anhänger von Nejmeh, dem populärsten Klub im Libanon. Die dürftige Kulisse ist darauf zurückzuführen, dass die beiden Teams aus Beirut an einem Wochentag um den Federation-Cup spielen. Der Bewerb besitzt wenig Prestige und dient hauptsächlich dazu, die Reservespieler in Schuss zu halten, während die Meisterschaft pausiert. Viele Stammspieler von Nejmeh bereiten sich mit der Nationalelf auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea vor. Trotz des geringen Zuschauerandrangs sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die allgegenwärtige libanesische Armee zeigt auch hier Präsenz. Es ist nicht zu übersehen, dass die Wirren des Bürgerkriegs ein Teil der jüngsten Geschichte des Landes sind.

Zur Halbzeit steht es zwischen Nejmeh und Mabarrah 0:0. Obwohl Mabarrah in nahezu stärkster Besetzung angetreten ist und Nejmeh auf viele Leistungsträger, vor allem auf seinen Star und Mittelfeldstrategen Moussa Hojeij, verzichten muss, war kein großer Unterschied zu bemerken. Mabarrahs Spieler, die anfänglich in blauen Dressen aufliefen, kommen zuerst wieder aus der Kabine, diesmal in oranger Arbeitskleidung, was aber niemanden auf den Rängen sonderlich irritiert. Angesichts der fehlenden Brisanz der Begegnung herrscht auf der Tribüne eine distanzierte Gelassenheit. Nur Walid Itani, mein Begleiter,  wirkt mürrisch. Mit der Leistung seines Teams an diesem Nachmittag ist er ganz und gar nicht einverstanden. Seine "Sterne" - Nejmeh bedeutet "Stern" - tun auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nichts, was seine Stimmung heben könnte. Zu allem Überdruss geht Mabarrah, der Klub der schiitischen Wohlfahrtsvereinigung Orphanage, auch noch mit 1:0 in Führung. Itani besteht trotzdem darauf, dass Nejmeh der beste Klub mit der größten Anhängerschaft im Libanon ist.

Die Partie endet 2:2. Hussein Dokmak verwandelte in der Nachspielzeit einen Elfmeter für Nejmeh und rettete einen Punkt für die "Roten". Ein versöhnliches Ende für Itani. Sein Klub wird heuer die Meisterschaft gewinnen, meint er zuversichtlich: "Inschallah" - so Gott will.