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Auf dem Al-Ahed-Platz, dem Stadion der militanten
Schiiten-Organisation Hisbollah, im tiefsten Süden der
libanesischen Hauptstadt Beirut, wärmen die Mannschaften
von Nejmeh SC und Mabarrah auf. Der Boden ist morastig
vom Februarregen und eigentlich unbespielbar. Der
Schiedsrichter pfeift trotzdem an. Der Angriffselan der
beiden Erstligisten verendet denn auch bald im Schlamm.
Zumindest hat der Wettergott ein Einsehen und wirft ein
paar Sonnenstrahlen auf die traurige Szenerie.
Rund 300 Fußballfans haben sich in die baufällige Anlage
verirrt, hauptsächlich Anhänger von Nejmeh, dem
populärsten Klub im Libanon. Die dürftige Kulisse ist
darauf zurückzuführen, dass die beiden Teams aus Beirut
an einem Wochentag um den Federation-Cup spielen. Der
Bewerb besitzt wenig Prestige und dient hauptsächlich
dazu, die Reservespieler in Schuss zu halten, während
die Meisterschaft pausiert. Viele Stammspieler von
Nejmeh bereiten sich mit der Nationalelf auf das
WM-Qualifikationsspiel gegen Südkorea vor. Trotz des
geringen Zuschauerandrangs sind die
Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die allgegenwärtige
libanesische Armee zeigt auch hier Präsenz. Es ist nicht
zu übersehen, dass die Wirren des Bürgerkriegs ein Teil
der jüngsten Geschichte des Landes sind.
Zur Halbzeit steht es zwischen Nejmeh und Mabarrah 0:0.
Obwohl Mabarrah in nahezu stärkster Besetzung angetreten
ist und Nejmeh auf viele Leistungsträger, vor allem auf
seinen Star und Mittelfeldstrategen Moussa Hojeij,
verzichten muss, war kein großer Unterschied zu
bemerken. Mabarrahs Spieler, die anfänglich in blauen
Dressen aufliefen, kommen zuerst wieder aus der Kabine,
diesmal in oranger Arbeitskleidung, was aber niemanden
auf den Rängen sonderlich irritiert. Angesichts der
fehlenden Brisanz der Begegnung herrscht auf der Tribüne
eine distanzierte Gelassenheit. Nur Walid Itani, mein
Begleiter, wirkt mürrisch. Mit der Leistung seines
Teams an diesem Nachmittag ist er ganz und gar nicht
einverstanden. Seine "Sterne" - Nejmeh bedeutet "Stern"
- tun auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nichts, was
seine Stimmung heben könnte. Zu allem Überdruss geht
Mabarrah, der Klub der schiitischen
Wohlfahrtsvereinigung Orphanage, auch noch mit 1:0 in
Führung. Itani besteht trotzdem darauf, dass Nejmeh der
beste Klub mit der größten Anhängerschaft im Libanon
ist.
Die Partie endet
2:2. Hussein Dokmak verwandelte in der Nachspielzeit
einen Elfmeter für Nejmeh und rettete einen Punkt für
die "Roten". Ein versöhnliches Ende für Itani. Sein Klub
wird heuer die Meisterschaft gewinnen, meint er
zuversichtlich: "Inschallah" - so Gott will.
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