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Neujahr in London.
Was liegt näher, als in einem Londoner Stadion nach
durchzechter Silversternacht in mildem britischen
Inselklima auszulüften.
An der White Hart
Lane empfängt Tottenham den Everton FC. Da es
unwahrscheinlich ist, ein Ticket - wenn überhaupt -
zu einem halbwegs vernünftigen Preis zu ergattern,
bietet sich Fulham gegen Crystal Palace an, eines der
kleineren Londoner Derbies.
Von der Liverpool
Street geht´s mit dem Bus - formidable Erfindung diese
Londoner Busse mit Doppeldeck und bester Aussicht auf
die City - Richtung Fulham. Die Stadt liegt von den
Feierlichkeiten noch ziemlich darnieder;
Postalkoholismus überall. Die Fahrt führt durch
Kensington und Chelsea. Der Blick fällt auf die Stamford
Bridgde, das Stadion der "Blues" schwebt kurz über den
Dächern. Angeblich liegt ihre Heimstätte gar nicht mehr
in Chelsea sondern bereits im "London Borough of
Hammersmith and Fulham", was Chelsea-Supporter eher
nicht gerne hören.
An der Themse endet
vorerst die Reise. Entlang der Uferpromenade
erreicht man bald das "Craven Cottage"; direkt am Fluss
liegt das Fulham-Stadion, ein wahres Schmuckstück
britischer Stadionarchitektur. Anno 1896 eingeweiht,
sollte es im neuen Jahrtausend der Abrissbirne zum Opfer
fallen. Massivste Fanproteste konnten diesen Albtraum
glücklicherweise verhindern. So steht das alte Bauwerk -
umsichtig renoviert und erweitert - immer noch an der
Stevenage Road.
Aufgrund der frühen
Anreisezeit, stellt es kein Problem dar, eine
Eintrittskarte zu erstehen. Die nette Verkäuferin an der
Kassa stellt ein Touristenticket aus, nachdem glaubhaft
versichert wurde, nicht für Palace zu schreien. Für
schlappe 37 Pfund ist man dabei. Zugegeben, es ist
wahrscheinlich so ziemlich der beste Platz, den man für
Geld hier kriegen kann: exakt in der Mitte des
themseseitigen "Riverside Stand" im obersten Rang mit
säulenfreien Frontalblick auf´s Spielfeld. Hinter der
Tribüne breitet sich eine Terasse auf die Themse aus.
Ein Ruderer bahnt sich den Weg flußaufwärts. Fast wie
ein kleines Idyll wirkt die Szenerie. Nichts erinnert
hier an die Großstadt. Ein älterer Fulham-Anhänger
bittet um Hilfe. Er würde gerne "Phil" anrufen, kennt
sich aber mit seinem neuen Nokia-Handy nicht aus. Phil
wurde im Telefonbuch gefunden.
Für den übersäuerten
Magen ist eine fette Wurst das beste; vorzugsweise mit
diversen üppigen Saucen. Ebendiese stehen auf einem
kleinen weißen Tischchen zu freien Entnahme bereit. Very
british, die Apfel-Kren-Sauce, allerdings etwas zu mild
für den kontinentaleuropäischen Gaumen. Etwa
Pfefferminzartiges war auch dabei.
Spielbeginn 14
Uhr. Die Tribünen sind gut gefüllt. Die Chants wechseln
sich ab. Die Fans des abstiegsgefährdeten Palace sind
hoffnungsfroh. Fulham gibt sich siegessicher. Man
begrüßt sich mit einem höflichen "Happy new year" in der
letzten Reihe des "Riverside Stand". Auch ich werde
persönlich mit "handshake" zum neuen Jahr
beglückwünscht. Man kennt sich. Es ist eher der Londoner
Mittelstand, Ex-Dandys auf den 60ern, der sich in dieser
Ecke des "Craven Cottage" tummelt.
Fulham hat Edwin
van der Saar im Kasten. Mit dem holländischen
Internationalen kann, zumindest gegen Crystal Palace,
nichts anbrennen. In der Tat hat Palace keine Chance.
Waren die aus dem Londoner Süden angereisten Palace-Fans
anfangs noch optimistisch, so nehmen ihre Gesänge mit
jedem Gegentreffer proportional ab. Am Ende ist es fast
ruhig im "Putney End". Auf der Gegenseite, im "Hammersmith
End", wird hingegen ausgelassen das neue Jahr
zelebriert. Das Tempo der Partie ist enorm hoch, genau
so wie man es in der Premier League erwarten kann.
Fulham siegt ungefährdet mit 3:1. An der White Hart Lane
fegen die Spurs zur selben Zeit die Elf aus Liverpool
mit 5:2 aus dem Stadion. Wär' sicher auch nicht übel
gewesen.
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