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 fulham fc vs. crstal palace

ort: london
stadion: craven cottage
datum: 01/01/05
zuschauer: ca. 22.000
ergebnis: 3:1

text:
günter vielgut

 

 

  b u c h t i p p/
The Craven Cottage Encyclopedia; von Dean Hayes

Fulham FC zählt wahrlich nicht zu den  schillernsten Klubs auf den britischen Inseln. Dennoch hatten die "Cottager" von der Themse Fabelspieler wie Bobby Moore, George Best and Rodney Marsh in ihren Reihen.

 

  b u c h t i p p/
Crystal Palace Football Club 100 Greats; von Nigel Sands

Das Leben ist ein Auf und Ab. Davon kann der Verein aus dem Selhurst Park ein Liedchen singen. In allen Liga rauf und runter: den Südlondonern ist ein Pendlerschicksal vorherbestimmt.

 

 
"Happy new year" an der Themse

Neujahr in London. Was liegt näher, als in einem Londoner Stadion nach durchzechter Silversternacht in mildem britischen Inselklima auszulüften.

An der White Hart Lane empfängt Tottenham den Everton FC. Da es unwahrscheinlich ist, ein Ticket - wenn überhaupt -  zu einem halbwegs vernünftigen Preis zu ergattern, bietet sich Fulham gegen Crystal Palace an, eines der kleineren Londoner Derbies.

Von der Liverpool Street geht´s mit dem Bus - formidable Erfindung diese Londoner Busse mit Doppeldeck und bester Aussicht auf die City - Richtung Fulham. Die Stadt liegt von den Feierlichkeiten noch ziemlich darnieder; Postalkoholismus überall.  Die Fahrt führt durch Kensington und Chelsea. Der Blick fällt auf die Stamford Bridgde, das Stadion der "Blues" schwebt kurz über den Dächern. Angeblich liegt ihre Heimstätte gar nicht mehr in Chelsea sondern bereits im "London Borough of Hammersmith and Fulham", was Chelsea-Supporter eher nicht gerne hören.

An der Themse endet vorerst die Reise. Entlang der  Uferpromenade erreicht man bald das "Craven Cottage"; direkt am Fluss liegt das Fulham-Stadion, ein wahres Schmuckstück britischer Stadionarchitektur. Anno 1896 eingeweiht, sollte es im neuen Jahrtausend der Abrissbirne zum Opfer fallen. Massivste Fanproteste konnten diesen Albtraum glücklicherweise verhindern. So steht das alte Bauwerk - umsichtig renoviert und erweitert - immer noch an der Stevenage Road.

Aufgrund der frühen Anreisezeit, stellt es kein Problem dar, eine Eintrittskarte zu erstehen. Die nette Verkäuferin an der Kassa stellt ein Touristenticket aus, nachdem glaubhaft versichert wurde, nicht für Palace zu schreien. Für schlappe 37 Pfund ist man dabei. Zugegeben, es ist wahrscheinlich so ziemlich der beste Platz, den man für Geld hier kriegen kann: exakt in der Mitte des themseseitigen "Riverside Stand" im obersten Rang mit säulenfreien Frontalblick auf´s Spielfeld. Hinter der Tribüne breitet sich eine Terasse auf die Themse aus. Ein Ruderer bahnt sich den Weg flußaufwärts. Fast wie ein kleines Idyll wirkt die Szenerie. Nichts erinnert hier an die Großstadt. Ein älterer Fulham-Anhänger bittet um Hilfe. Er würde gerne "Phil" anrufen, kennt sich aber mit seinem neuen Nokia-Handy nicht aus. Phil wurde im Telefonbuch gefunden.

Für den übersäuerten Magen ist eine fette Wurst das beste; vorzugsweise mit diversen üppigen Saucen. Ebendiese stehen auf einem kleinen weißen Tischchen zu freien Entnahme bereit. Very british, die Apfel-Kren-Sauce, allerdings etwas zu mild für den kontinentaleuropäischen Gaumen. Etwa Pfefferminzartiges war auch dabei.

Spielbeginn 14 Uhr. Die Tribünen sind gut gefüllt. Die Chants wechseln sich ab. Die Fans des abstiegsgefährdeten Palace sind hoffnungsfroh. Fulham gibt sich siegessicher. Man begrüßt sich mit einem höflichen "Happy new year" in der letzten Reihe des "Riverside Stand". Auch ich werde persönlich mit "handshake" zum neuen Jahr beglückwünscht. Man kennt sich. Es ist eher der Londoner Mittelstand, Ex-Dandys auf den 60ern, der sich in dieser Ecke des "Craven Cottage" tummelt. 

Fulham hat Edwin van der Saar im Kasten. Mit dem holländischen Internationalen kann, zumindest gegen Crystal Palace, nichts anbrennen. In der Tat hat Palace keine Chance. Waren die aus dem Londoner Süden angereisten Palace-Fans anfangs noch optimistisch, so nehmen ihre Gesänge mit jedem Gegentreffer proportional ab. Am Ende ist es fast ruhig im "Putney End". Auf der Gegenseite, im "Hammersmith End", wird hingegen ausgelassen das neue Jahr zelebriert. Das Tempo der Partie ist enorm hoch, genau so wie man es in der Premier League erwarten kann. Fulham siegt ungefährdet mit 3:1. An der White Hart Lane fegen die Spurs zur selben Zeit die Elf aus Liverpool mit 5:2 aus dem Stadion. Wär' sicher auch nicht übel gewesen.