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 rsc anderlecht vs.kv mechelen

ort: brüssel
stadion: vanden stock stadion
datum: 15/02/95
zuschauer: -
ergebnis: -

text:
günter vielgut

 

 

  b u c h t i p p/
Fußball-EM 2000. Holland & Belgien; von Sven Simon

Die EM nochmals rekapituliert: Frankreich schafft das Double; Belgien und Holland als Veranstalter stinken ab. Jede Menge Statistiken, Kommentare und vor allem Fotos von der EM 2000.

 

 
Die Schnecken von Frankie van der Elst
Wenn dieser Bericht entsteht, im Mai 2006, sind bereits über elf Jahre in´s Land gezogen; gewissermaßen eine etwas verspätete Nacherzählung von den Ereignissen auf dem Feld, damals in Brüssel. Es war jedenfalls mein erster Matchbesuch im Ausland.

Eine  Exkursion im Zuge des "Hochschulkurses für Europajournalismus" führte mich im Februar 1995 mit meinen Kurskollegen, Mädels und Jungs, in die belgische Hauptstadt. Das Programm: sämtliche EU-Institutionen, NATO-Hauptquartier, Empfang beim damaligen EU-Landwirtschaftsminister Franz Fischler. Gähnende Langeweile war unvermeidbar. Irgendwer hatte die Idee, ein Match zu besuchen. Eine Frage beim Hotelportier ergab, dass während unseres Aufenthalts zwar keine Liga gespielt wird, aber ein Cup-Viertelfinale in's Haus stand: RSC Anderlecht gegen KV Mechelen im "Coupe de Belqique" oder "Beker van Belgie" wie die Flamen sagen.

Mit den Kollegen Fisa und Martin - neben mir definitiv die einzigen an Fußball Interessierten aus der Gruppe - ging´s per U-Bahn Richtung Vanden Stock Stadion, zur Anderlecht-Heimstätte. Der Anmarsch im Großrudel der Anderlecht-Fans, die zur Spielstätte strömten, führte durch eine etwas finstere Gegend, zumindest in meiner Erinnerung. Vielleicht lag´s aber auch an der trüben Februarstimmung, die ein wenig Unbehagen verbreitete und das Gefühl des Fremdseins in einer unbekannten Masse verstärkte. 

Meine Erinnerungen an die nackten Fakten an diese Begegnung sind weitgehend verblasst. Wie viele Zuschauer im Rund waren, wie es genau ausging, wer die Tore schoss, ist im Nebel der Jahre verschwunden. Fest steht nur: Anderlecht setzte sich am Ende durch. Und die Stimmung unter den Fans kann als mittelprächtig bezeichnet werden.

Bleibend in mein Gedächtnis eingegraben haben sich hingegen die Schnecken, die am Würstelstand vor dem Stadion kredenzt wurden. Dass die Brüsseler ein verfressenes Volk sind, wird einem beim Gang durch die so genannten "Freßstraßen" im Zentrum schlagartig klar. Mit Schnecken am Würstelstand hatte ich allerdings nicht gerechnet. Der belgische Fan pflegt auch am Fußballplatz einen gewissen Hedonismus. Überrascht und angetan von soviel Eßkultur bestellte ich auch gleich ein Dutzend. Es schmeckte hervorragend.

Neben den Schnecken hat sich auch der Spieler Frankie van der Elst nachhaltig in meine Gehirnwindungen geschlichen. Seltsamerweise. Denn, wie Recherchen ergeben, hat er nie - soweit ich es übersehe - bei Anderlecht gespielt, auch wenn ich das elf Jahre lang behauptet habe. Sein Stammklub war die meiste Zeit Club Brügge. Dennoch war ich bis vor kurzem total überzeugt, Frankie van der Elst live gesehen zu haben. Ich habe also über ein Jahrzehnt in einem Irrtum gelebt - im übrigen nicht der erste Irrtum, in dem ich solange verweilte. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich Frankie van der Elst wahnsinnig gern spielen gesehen hätte. So wie manche wahrscheinlich gerne damit angeben würden, Ronaldinho live gesehen zu haben. Bei mir war es halt Frankie van der Elst, jener belgische Spieler, der mich am nachhaltigsten beeindruckt hat. Übrigens auch Pele, der ihn in seine Liste der besten Spieler aufnahm. Außerdem ist Frankie van der Elst  einfach ein cooler Name.

Wie auch immer. Ich denke, ich werde einfach weiter behaupten, Frankie van der Elst spielen gesehen zu haben. Es ist ohnehin eh jedem relativ wurscht.