Bevor
Du mit der Wartung beginnen kannst, musst Du noch die Ritzel
demontieren, da sonst eine Demontage der Achse unmöglich
wird. Nehme zunächst das Hinterrad aus dem Rahmen und löse
den Schnellspanner. Setze dann den Zahnkranzabzieher auf die
Ritzelbefestigung. Versichere Dich, dass die einzelnen Nuten
richtig in den Vertiefungen sitzen. Stecke nun den
Schnellspanner wieder durch die Achse und befestige auf der
Ritzelseite die Mutter. So kann der Zahnkranzabzieher nicht
mehr versehentlich abrutschen und dabei zerstört werden.
Jetzt könntest Du eigentlich die Ritzel schon demontieren,
indem Du mit dem 24 mm Maulschlüssel und dem
Zahnkranzabzieher die Ritzel löst, aber leider dreht sich
beim Lösen der Freilauf mit. Deshalb muss er mit dem
Zahnkranzzerlegerwerkzeug gekontert werden. Setze ihn auf
eines der oberen Ritzel und führe das Stück Kette soweit wie
möglich um das Ritzel herum. Nun kannst Du die Ritzel lösen,
indem Du beide Werkzeuge gegeneinander drückst (siehe
Photo). Nachdem die Ritzel gelockert sind, kannst Du den
Schnellspanner lösen und die Ritzel abnehmen und ggf.
reinigen. Säubere nun auch die Oberfläche des
Freilaufkörpers.
Nachdem
nun die Ritzel demontiert sind, kannst Du die Nabe öffnen.
Dazu benötigst Du die Konusschlüssel. Doch zuvor muss die
Staubschutzkappe abgenommen werden. Das geht ganz einfach.
Ziehe sie ein wenig von der Nabe weg und schon hast Du sie
in der Hand. Darunter kommen die Kontermutter für den
Lagerkonus, ein paar Unterlegscheiben und der Lagerkonus
selber zum Vorschein. Setze nun den 13 mm Konusschlüssel am
Lagerkonus an. Der Lagerkonus ist die unterste "Schraube".
Nimm jetzt den 17 mm Konusschlüssel und öffne damit die
oberste Kontermutter. Es ist wichtig, dass Du den Lagerkonus
nicht fester ziehst, um ein beschädigen der Lager zu
vermeiden. Du "hältst" den Konus lediglich zum Kontern fest,
damit sich also die Achse nicht mit dreht. Unterlasse es
auch, den Konus und die Kontermutter auf der Freilaufseite
zu öffnen, da eine Montage erheblich schwieriger von statten
geht. Nach einem leichten Ruck sollte sich die Kontermutter
und der Konus dann von Hand abschrauben lassen. Jetzt ist
Vorsicht geboten, da nach der Demontage der Kontermutter und
des Konus die Achse sofort heraus fällt. Deshalb sollte beim
Öffnen das Rad auf dem Boden oder Tisch liegen. Merke Dir
jetzt gut die Reihenfolge der Unterlegscheiben, damit beim
Zusammenbauen keine Probleme auftreten. Falls Du doch einmal
die Reihenfolge vergessen haben solltest, so gucke Dir die
folgende Tabelle. Beachte jedoch, dass der Aufbau der
unterschiedlichen Modelle leicht abweichen kann. Das Bild
zeigt die Einzelteile (ohne Nabenkörper) der weit
verbreiteten Shimano Deore LX Nabe (Modell ´94). Säubere nun
alle Einzelteile und lege diese gut beiseite.
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1. Staubkappe - erste Dichtung bei der Nabe. 2. Kontermutter 3. Kurzer Spacer 4. Unterlegscheibe 5. Langer Spacer 6. Konusdichtung 7. Konus 8. Achse |
Nimm
nun die Pinzette zur Hand und nimm jede Kugel einzeln aus
den Lagerschalen. Um die Kugel leichter rausnehmen zu
können, nimm nun langsam die Achse heraus. Achte darauf,
dass nicht die Kugeln auf der Freilaufseite einfach
herausfallen, da sie ja nun die Achse nicht mehr halten
kann. Nachdem Du alle Kugeln herausgenommen hast (auf jeder
Seite 9 Stück) reinigst Du sie gut. Zum Aufbewahren der
Kugeln eignet sich am besten ein flaches Gefäß oder
Kästchen, da Du so leichter wieder an die Kugeln kommst.
Wenn Du nun auch die Lagerschalen und die Achse selber
gereinigt hast, bist Du im Prinzip mit der Wartung fertig.
Bei den Konussen sollte man auf die von Modell zu Modell
variierenden Dichtungen achten, die unmittelbar am Konus
anliegen. Diese müssen wieder genau in ihren Nutzen sitzen,
da sonst Dreck und Wasser frühzeitig eindringen kann. Falls
Du den Freilauf wechseln bzw. warten möchtest , must Du die
Seite weiter nach unten scrollen um die Beschreibung zu
lesen.
Vor dem Zusammenbau der Nabe, sollte man noch prüfen, ob alle Lager in Ordnung sind. Dazu begutachtet man jede einzelne Kugel auf Kratzer und Riefen. Sind bei einigen Kugeln Riefen erkennbar, so sollte man diese Austauschen. Auch die Konusse und Lagerschalen in der Nabe sollte man auf Riefen untersuchen. Wenn Dir beim Reinigen dunkles Fett aufgefallen ist, solltest Du besonders gut hinschauen. Denn dunkles Fett ist meist ein Indikator für Metallabrieb, also frühzeitiger Verschleiß. Wenn das Fett sehr wässrig war, ist meist eine der kleinen Dichtungen auf den Konussen kaputt, da dies ein Anzeichen für "Wassereinbruch" ist, wodurch sich Fett ja verflüssigt.
Sind all diese Schwierigkeiten beseitigt,
kannst Du nun zum einfetten übergehen. Nimm am besten eine
Fettspritze (oder ein normale mit Fett befüllte Spritze) zur
Hand und fette so die Lagerschalen ein.
Hast Du keine Spritze zur Verfügung, so nimm deine Finger
zum Verteilen des Fetts. Sei auch nicht zu sparsam mit dem
Fett, da sonst die Kugeln später nicht halten und sofort
wieder herausfallen (Von den schlechteren Laufeigenschaften
einmal abgesehen). Fette auch schon einmal den auf der Achse
befindlichen Konus. Beginne nun auf der Freilaufseite (!),
die Kugeln (neun Stück) mit der Pinzette in die Lagerschalen
zu legen. Drücke sie anschließend ein wenig die Fettschicht
ein. Stecke nun die Achse durch die Nabe. Drehe nun das
Laufrad um. Halte jedoch die Achse fest, damit sie nicht
heraus fällt, und mit ihr die Kugeln. Lege jetzt die
verbleibenden 9 Kugeln in die andere Lagerschale. Schraube
anschließend den gefetteten Konus auf die Achse, und zwar
soweit, dass der Konus komplett in die Lagerschale reicht.
Stecke nun auch die anderen Unterlegscheiben auf die Achse.
Damit die Unterlegscheiben nicht verwittern, solltest Du sie
mit einer dünnen Fettschicht überziehen. Schraube nun auch
die Kontermutter wieder auf die Achse. Achte jedoch darauf,
dass die raue Oberseite oben ist, also später am Rahmen
anliegt. Dadurch wird ein Verdrehen der Achse im Rahmen
selber verhindert.
Damit die Nabe nun wieder einsatzfähig wird, muss sie noch eingestellt werden. Wie das geht, ließt Du im nächsten Abschnitt.
Beim
Einstellen der Nabe wird es das Erste mal schwierig. Du
musst drauf achten, dass die Lager kein Spiel haben und
trotzdem leicht laufen. Um die Nabe einzustellen musst Du
nur den Lagerkonus passend einstellen. Das machst Du wie
folgt. Du ziehst den Konus schrittweise mit der Hand oder
den Konusschlüsseln an. Halte dann das Rad an der Achse fest
zwischen den Armen und drehe es. Wenn es rau läuft, hast Du
den Konus zu fest angezogen. Lockere ihn also. Wenn Du es
geschafft hast, dass der Konus nicht mehr rau läuft
überprüfe das Spiel der Lager. Halte dazu das Rad selber
fest und wackle an der Achse. Wenn Du ein Spiel feststellst,
ist der Konus zu locker. Ziehe ihn an. Dieses "Spiel" mit
lockern und festziehen kann schon einige Zeit in Anspruch
nehmen. Sei jedoch versichert, dass die Nabe absolut
spielfrei ist und zudem leicht läuft. Hast du dieses Optimum
gefunden, brauchst Du "nur" noch die Kontermutter
festziehen. Halte dazu den Konus mit einem Konusschlüssel
fest und ziehe die Kontermutter an (vgl. Bild). Versichere
Dich, dass Du nicht den Konus verdrehst, bzw. bewegst, da
sonst die Einstellarbeit umsonst war. Du darfst nur (!) die
Kontermutter festziehen. Nachdem alles festgezogen und
eingestellt ist, prüfe ein letztes Mal, ob Du nicht doch
versehentlich den Konus verstellt hast. Wenn das nicht der
Fall ist, spritze nun noch ein wenig Fett in die Nut für die
Staubkappe. Setze dann die Staubkappe wieder auf die Nabe.
Das Fett wirkt nun wie eine Dichtung und erschwert Wasser
und Dreck das Eindringen. Nachdem Du nun die Nabe
eingestellt hast, kannst Du wieder die Ritzel montieren.
Befestige dazu wieder den Zahnkranzabzieher mit dem
Schnellspanner an der Nabe und ziehe mit dem 24 mm
Maulschlüssel bzw. mit einem Drehmomentschlüssel die Ritzel
mit 29,4 bis 49,0 Nm (350 - 500 kgfcm) an.
2. Freilauf warten und ersetzen
Falls
der Freilauf defekt ist, oder Du gucken möchtest, ob er
defekt ist, muss der Freilauf demontiert werden. Dazu hast
Du ja schon bereits die größte Arbeit erledigt, indem Du in
Abschnitt die Nabe soweit demontiert hast, dass nur
noch der Nabenkörper und der Freilauf "zusammenhängen". Um
nun noch den Freilauf los zu bekommen, benötigst Du nur
einen 10 mm Inbus. Diesen steckst Du dann in den Freilauf
rein. Denn der Freilauf ist mit einer hohlen Madenschraube
befestigt, durch die die Achse läuft. Diese Schraube löst Du
dann, worauf dir der Freilauf schon entgegen fällt. Bei
manchen Shimano-Naben liegt zwischen dem Freilauf und dem
Nabenkörper noch eine kleine unscheinbare und sehr dünne
Unterlegscheibe. Versichere Dich, dass sie nicht abhanden
kommt.
Leider (oder zum Glück) kann man Shimano-Freiläufe nicht oder nur sehr bedingt warten bzw. reinigen. Sie müssen also auch im Schadensfall komplett ersetzt werden. Der Freilauf hat auf der Seite, die an der Nabe liegt, eine kleine Gummidichtung, die das Eindringen von Schmutz und Wasser verhindern soll. Hier ist der einzige Punkt, an dem man bei der Wartung ansetzen kann. Wenn Du mit zwei Fingern die Dichtung zusammen ziehst, dehnt und wölbt sie sich immer ein wenig, wodurch Du sie herausnehmen kannst. Reinige nun die Dichtung. Reinige nun auch die Fuge, in der die Dichtung saß.
Bitte
unterlasse es, den Freilauf auf die heiße Herdplatte zu
stellen, damit das alte Fett schmilzt und herausläuft.
Dieser Trick ist unangebracht, da so das alte Fett zwar
herausläuft, Du aber kein neues Fett hinein bekommst (außer
wieder mit der "Schmelz-Methode", wodurch allerdings die
Schmiereigenschaften des Fettes verloren gehen). Auch Dreck,
der eventuell trotz der Dichtung in den Freilauf gekommen
ist, wird sehr wahrscheinlich nicht herausgeschwemmt,
sondern verbleibt im Freilauf. So wäre ein frühzeitiger
Verschleiß des Freilaufs vorprogrammiert. Nachdem Du nun
auch den eigentlichen Freilaufkörper gereinigt hast, kannst
Du die Dichtung wieder einsetzten. Fette jedoch die
Dichtungsfuge gut, da Du so das Eindringen von Dreck
verstärkt verhindern kannst. Falls Du Dir nicht sicher bist,
ob der Freilauf überhaupt noch in Ordnung ist, so überprüfe
noch mal die Freilauflager. Das machst Du, indem Du den
inneren Teil des Freilaufs festhältst (stecke z.B. einen
Finger hinein) und mit der anderen Hand den Freilauf drehst.
Läuft das Lager rau oder merkst Du ein haken (spürst Du am
Finger), ist der Freilauf defekt, Du musst ihn also
austauschen. Meist ist eine Speerklinke gebrochen oder das
Lager defekt. Ist der Freilauf in Ordnung, so reinige noch
ggf. die Unterlegscheibe und den Nabenkörper (besonders die
Stirnverzahnung).
Die Montage des Freilaufkörpers ist genauso einfach wie die Demontage. Schraube die leicht gefette Madenschraube wieder rein. Versichere Dich aber, dass Du ggf. die dünne Unterlegscheibe leicht gefettet wieder auf die Nabe gelegt hast. Damit der Freilauf sich nicht lösen kann, und Du ihn nicht zu fest anziehst, beachte den von Shimano angegebenen Drehmoment. Er beträgt 34,3 bis 49 Nm (350 - 500 kgfcm). Fette, nachdem der Freilauf festgeschraubt ist, nun leicht die Oberfläche des Freilaufs. Du birgst Du Rostbildung und Korrosion vor.
Grundsätzlich
unterscheidet sich die Wartung der Hinterrad-Nabe kaum von
der der Vorderrad-Nabe. Da die Vorderrad-Nabe ja keinen
Freilauf hat, hat sie beide Laufflächen der Lager im
Nabenkörper, und nicht wie bei der Hinterrad-Nabe eine im
Nabenkörper und eine im Freilauf. Zudem ist die Achse
kürzer. Sie ist nur 100 mm lang. Die Hinterrad-Achse ist 130
mm (ältere Modelle) bzw. 135 mm (neuere Modelle) lang. Zudem
besitzt die Vorderrad-Nabe nicht so viele lange Spacer wie
die Hinterrad-Nabe. Das liegt daran, dass die Vorderrad-Nabe
nicht noch einen Freilauf aufzunehmen hat. Denn durch den
Freilauf müssen die Speichen auf der Freilaufseite weiter
zur Mitte wandern. Damit dann die Speichen auf der anderen
Seite nicht länger ein müssen, was Stabilitätsprobleme
bringen würde, sind diese also mit Hilfe der Spacer auch ein
wenig zur Mitte gewandert (vgl. Bild - links:
Vorderrad-Nabe, rechts: Hinterrad-Nabe). Der Vorteil bei der
Wartung der Vorderrad-Nabe ist der symmetrische Aufbau
beider Lagerseiten. So ist erstens die Seite, auf der die
Nabe geöffnet wird egal, und zweitens der Zusammenbau
einfacher, da man nicht mehr mit den Einzelteilen
durcheinander kommt (man kann ja auf der anderen Seite
nachschauen). All diese Unterschiede der Vorderrad-Nabe
wirken sich nicht auf die Wartung aus. Das Öffnen der Nabe
ist gleich, das Einstellen ebenso. Auch die Anzahl der
Kugeln sind gleich.