Das Amt und die Ämter - in der Evangelischen Kirche:

Das Wort "Amt" ist schon für die verschiedensten Funktionen verwendet worden, was es aber in jedem Fall beschreibt, ist eine Tätigkeit, die nicht an einem ganz bestimmten Menschen hängt, sondern weitergegeben werden kann an einen Nachfolger. Ämter sind immer dort anzutreffen, wo bestimmte Aufgaben kontinuierlich zu erfüllen sind.

Ein Amt ist nicht notwendig an Erwerb oder Verdienst gebunden, die meisten Ämter in unserer Kirche sind Ehrenämter, das heißt, die damit verbundene Tätigkeit ist unbezahlt und geschieht aus Liebe zur Sache, aus Verantwortungsbewusstsein oder aus ähnlichen Motiven, aber der Träger hat durch sein Amt keinen finanziellen Vorteil.

Im Neuen Testament finden wir keinen dem Wort "Amt" entsprechenden Begriff, am nächsten kommt höchstens die Bezeichnung "Dienst" (diakonia), wir lesen aber sehr wohl von Leuten, die bestimmt Aufgaben und Funktionen hatten. Kirchliche Ämter und Strukturen gehen nicht auf Jesus zurück, sie haben sich erst später gebildet. Aus der Berufung von Jüngern in die Nachfolge kann man beim besten Willen keine Stiftung von Ämtern ableiten. Selbst die "Zwölf Jünger" als Repräsentanten des neuen Gottesvolkes (entsprechend den zwölf Stämmen des Volkes Israel) haben in der jungen Kirche sehr schnell an Bedeutung verloren.

Aus der jüdischen Kultur hat die frühe Kirche das Ältestenamt übernommen (griechisch: "presbyteros") aus dem Hellenismus den "episkopos", aus dem der Bischof geworden ist, (ursprünglich war er wohl wie heute der Pfarrer im Presbyterium einer von lauter Gleichgestellten) und den "diakonos", der für die Versorgung notleidender Gemeindeglieder zuständig war (siehe Apostelgeschichte 6).

Die Evangelische Kirche hat das biblische Verständnis der Ämter übernommen. Die Leitung der Gemeinde ist die Aufgabe des Presbyteriums, in dem der Pfarrer einen Sitz und eine Stimme hat. Die übrigen Presbyter werden aus der Gemeindevertretung gewählt, die quasi das "Gemeindeparlament" darstellt. Die Gemeindevertretung wird alle sechs Jahre neu gewählt, die letzte Wahl war im Herbst 2005.

Das geistliche Amt (also das des Pfarrers) unterscheidet sich nach evangelischer Auffassung nicht wesensmäßig von den anderen Ämtern, das ist wahrscheinlich DAS große Hindernis in der ökumenischen Annäherung der christlichen Kirchen. Er übt seine Tätigkeit eben hauptamtlich, d. h. beruflich aus, und er braucht eine bestimmte Ausbildung, die mit der Ordination abschließt. Erst durch die Ordination (= die ordnungsgemäße Beauftragung durch die Kirche) ist er berechtigt, sich in verschiedenen Gemeinden zu bewerben. Den antiken Gedanken eines Priesters als Vermittlers zwischen Gott und der Gemeinde hat die Evangelische Kirche nicht übernommen, da nach unserem Verständnis die Taufe als höchste mögliche Weihe jeden gläubigen Christen in diesem Sinn zum Priester macht.

Dieser Gedanke des "Priestertums aller Gläubigen" ist in der Evangelischen Kirche im Lektorenamt verwirklicht. Denn jedes Presbyterium kann geeignete Gemeindeglieder zu Lektoren berufen, die Gottesdienste halten, predigen, Trauungen und Beerdigungen leiten und, mit entsprechender Ausbildung und Befugnis, auch Sakramente spenden dürfen (also taufen und Abendmahlsfeiern leiten).

Denn das alles ist nicht einer priesterlichen Elite, sondern der ganzen Gemeinde aufgetragen.